Orthomolekulare Medizin

Vitamin B2 (Riboflavin)

Zu den Vitaminen des B-Komplexes gehört auch Vitamin B2, welches weiterhin unter den Bezeichnungen Riboflavin und Lactoflavin bekannt ist. Im Volksmund wird Riboflavin auch oftmals Wachstumshormon genannt, da es wesentlich an der Neubildung verschiedener Zellen beteiligt ist. Im Gegensatz zu den meisten anderen Vitaminen ist Lactoflavin sehr resistent gegenüber hohen Temperaturen und löst sich nicht gut in Wasser, jedoch ist es sehr lichtempfindlich und wird daher bei längerer Lagerung im Hellen nach und nach abgebaut.

Da Vitamin B2 nicht vom menschlichen Körper synthetisiert werden kann, wird es auch als essentiell bezeichnet und wird nur von Mikroorganismen und einigen Pflanzen selbst produziert. Im Organismus wird Riboflavin zunächst über den Dünndarm absorbiert und anschließend in die wirksamen Verbindungen “FAD” und “FMN” umgewandelt. Da dies in allen tierischen Lebewesen abläuft, können Produkte wie Fleisch oder Milch ebenfalls als Aufnahmequellen herangezogen werden.

Der empfohlene Tagesbedarf liegt dabei je nach Personengruppe bei mindestens 1,5 mg, kann jedoch unter vielen Umständen wie Stress, Medikamenteneinnahme, Alter oder Infektionsanfälligkeit auch höher liegen. Vor allem Schwangere bzw. Stillende sowie Heranwachsende und Alkoholkranke benötigen mehr Vitamin B2 als die Durchschnittsbevölkerung, was ebenso in Stresssituationen oder nach Operationen der Fall sein kann. Um eine ausreichende Versorgung des Körpers mit Riboflavin sicherzustellen, eignen sich daher besonders reichhaltige Nahrungsergänzungsmittel, deren Nutzen nicht nur bewiesen, sondern auch völlig risikolos ist, da der Körper überschüssiges Vitamin B2 einfach über die Nieren ausscheidet.

Nahrungsmittel mit viel Vitamin B2

Je nach Alter, Vorerkrankungen und Allgemeinzustand bestehen andere Empfehlungen, wie viel Vitamin B2 pro Tag aufgenommen werden sollte. Allen Menschen gemein ist jedoch, dass ihr Körper Riboflavin höchstens für zwei bis vier Wochen speichern kann und im Anschluss keinerlei Reserven mehr besitzt, weshalb unbedingt auf eine durchgängig hohe Versorgung mit dem Vitamin zu achten ist. Besonders während des Wachstums, bei Störungen des Verdauungssystems oder anderen schwerwiegenden Erkrankungen kann eine erhöhte Zufuhr an Lactoflavin von Nöten sein, weil der Körper entweder einfach mehr braucht oder aber das mit der Nahrung aufgenommene Vitamin B2 nicht mehr richtig verwerten kann. Selbst einige Medikamente wie Antidepressiva, die Pille oder Antibiotika erschweren den Einbau von Riboflavin in essentielle Stoffwechselprozesse, was einschneidende Konsequenzen nach sich ziehen kann. Kommt es zu einer anhaltenden Unterversorgung, sind nicht selten schmerzhafte Hautrötungen, Depressionen oder eine Anämie die Folge, was Betroffene stark belastet und so einfach zu verhindern wäre. Mit Hilfe einer gesunden und ausgewogenen Ernährung sowie geeigneter Präparate kann der tägliche Bedarf an Vitamin B2 leicht gedeckt werden, was sogar als Prävention gegen einige Krankheiten wirkt.

Unter den natürlichen Lebensmitteln sind vor allem Milch und Milchprodukte als gute Aufnahmequellen für Riboflavin zu empfehlen, wobei auch Gemüse wie Broccoli oder Spargel in Frage kommen. Zu bemerken ist hierbei allerdings, dass der menschliche Körper Vitamin B2 aus tierischen Produkten leichter aufnehmen kann, da es in ihnen in freier Form vorliegt. Die Zubereitung der Nahrungsmittel über temperaturintensive Verfahren wie Kochen oder Braten ist zwar unbedenklich, jedoch sollte darauf geachtet werden, dass beispielsweise Milch nicht in durchsichtigen Flaschen gelagert wird, da sich das Vitamin B2 ansonsten durch den Lichteinfluss zersetzen könnte.

Funktionen von Vitamin B2

Vitamin B2 ist die Vorstufe vieler Coenzyme und nimmt daher eine zentrale Rolle im menschlichen Stoffwechsel ein. Als Baustein der eiweißartigen Reaktionsbeschleuniger unterstützt Riboflavin die Funktion sogenannter Enzyme, welche andere Stoffe auf-, ab- und umbauen können. Diese Wirkmechanismen werden vor allem für den Fett-, Eiweiß- und Kohlenhydratstoffwechsel benötigt und liefern im Endergebnis Energie für die meisten Zellen des Körpers. Durch die Bildung bestimmter Fettsäuren und Purine, gesteuert durch Vitamin B2, wird die Energiegewinnung aus Nährstoffen erst ermöglicht. Gerade während einer Diät zur Gewichtsreduktion werden stets weniger Vitamine als sonst über die Nahrung aufgenommen, da in der Regel weniger gegessen wird. Ohne genügend Vitamin B2 ist aber eine Verbrennung der ungeliebten Fettpolster nicht möglich, weshalb es ratsam ist, während einer Gewichtsabnahme gezielt spezielle Vitaminpräparate einzunehmen, um die Fettverbrennung nicht zum Erliegen zu bringen. Auch wirkt das ausreichende Vorhandensein von Riboflavin chronischer Müdigkeit und Erschöpfung entgegen, da es die Energiegewinnung ankurbelt und so den Kreislauf in Schwung bringt.

Eine weitere wichtige Aufgabe von Vitamin B2 ist die Förderung des Wachstums neuer Haut- und Schleimhautzellen, was zur Vorbeugung gegen Entzündungen und Ekzeme wichtig ist und dem Gewebeerhalt dient. Außerdem wirkt Riboflavin unterstützend für Vitamin B3 und Vitamin B6, welche ihre Funktionen bei fehlendem Lactoflavin nicht ausreichend erfüllen können. Während Niacin den Blutfettspiegel senkt, ist Vitamin B6 ebenfalls am Proteinstoffwechsel beteiligt und daher besonders für Sportler von Bedeutung.

Des Weiteren unterstützt Vitamin B2 die Bildung roter Blutkörperchen, was essentiell für die Sauerstoffversorgung aller Organe und Gewebe ist. Bei einem Mangel kann schnell eine sogenannte Anämie entstehen, welche mit Symptomen wie Blässe, erhöhter Infektionsneigung und Abgeschlagenheit einhergeht. Auch die Gesundheit von Haut und Fingernägeln wird weitestgehend von Riboflavin beeinflusst, da es deren Struktur aufrechterhält und Erkrankungen vorbeugt. Sogar die psychische Verfassung ist von einem ausreichenden Vorhandensein von Lactoflavin abhängig, da es über die Verstoffwechselung von Kohlenhydraten die Energieversorgung der Nervenzellen sicherstellt.

Vitamin B2 im Einsatz gegen Krankheiten

Wie viele andere Vitalstoffe kann auch Vitamin B2 für die Zwecke der orthomolekularen Medizin eingesetzt werden und dabei mit äußerst guten Erfolgen in der Prävention und Behandlung von verschiedenen Erkrankungen überzeugen. Es wurden bereits einige Studien zu den positiven Effekten von Riboflavin durchgeführt, welche im Folgenden näher betrachtet werden sollen.

Besonders weit verbreitet ist inzwischen die Erkenntnis, dass Vitamin B2 zur Therapie von Migränepatienten eingesetzt werden kann, da es die Erkrankungs- bzw. Anfallshäufigkeit und somit den Leidensdruck dramatisch senken kann. In 1 wurde dabei festgestellt, dass die Einnahme eines Nahrungsergänzungsmittels mit 400 mg Riboflavin pro Tag eine äußerst überzeugende Prophylaxe gegen Migräne darstellt.

Auch gegen psychische Erkrankungen ist Vitamin B2 im Einsatz, so konnte in einer Studie an depressiven Krankenschwestern aus dem Jahr 2011 2 nachgewiesen werden, dass Depressionen meist mit einem Vitamin-B2-Mangel verbunden sind, was wiederum zu systemischen Entzündungen führen kann. In einer anderen Studie 3 wurde außerdem festgestellt, dass hochdosierte Vitamin-B2-Präparate auch die geistige Befindlichkeit ansonsten gesunder junger Männer steigern kann.

Weiterhin wurde in 4 erforscht, dass eine höhere Plasmakonzentration an Vitamin B2 und Vitamin B6 die Gefahr für Darmkrebs reduziert, was vor allem für Risikopersonen (über 60 Jahre, erbliche Vorbelastung etc.) ein überzeugender Grund für eine geeignete Supplementierung sein sollte.

Fazit

Riboflavin liefert wesentliche Beiträge zur Gesunderhaltung des Körpers und ist unerlässlich für zahlreiche Stoffwechselvorgänge. Da es nicht nur die Fettverbrennung unterstützt, sondern auch den Eiweißstoffwechsel ankurbelt, ist es vor allem für Sportler und Abnehmwillige von Bedeutung.

Aber auch die präventiven und therapeutischen Erfolge von Vitamin B2 führen häufig dazu, dass spezielle Nahrungsergänzungsmittel zum Einsatz kommen, da sie die Migränesymptomatik verbessern und einen Schutz vor Darmkrebserkrankungen bieten können. Risikogruppen wie ältere Personen oder Patienten mit bereits diagnostizierten Polypen sollten unbedingt über eine geeignete Supplementierung nachdenken, was ebenso für schwangere Frauen und stillende Mütter gilt, da ihr Bedarf an Lactoflavin deutlich über dem einer normalen Person liegt.

 

  1. “Schoenen J, Jacquy J, Lenaerts M. Effectiveness of high-dose riboflavin in migraine prophylaxis a randomized controlled trial. Neurology 1998;50:466-470″ und “Boehnke C, Reuter U, Flach U, Schuh-Hofer S, Einhaupl KM, Arnold G. High dose riboflavin treatment is efficacious in migraine prophylaxis: an open study in a tertiary care centre. Eur J Neurol 2004;11:475–477″
  2. “Naghashpour M et al: Riboflavin status an ist association with serum hs-CRP levels among clinical nurses with depression; Jondi-Shapour University, 30.10.2011″
  3. “Kennedy DO et al.: Effects of high-dose B vitamin complex with vitamin C and minerals on subjective mood and performance in healthy males; Psychopharmacology (Berl.) 2010 Jul; 211(1): 55-68″
  4. Eussen SJ et al.: Plasma vitamins B2, B6, B12, and related genetic variants as predictors of colorectal cancer risk; Cancer Epidemiol Biomarkers Prev. 2010 Sep 2″

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Kurzinformationen

  • Vitamine sind organische Verbindungen, die in sehr begrenzten Mengen in Lebensmitteln enthalten sind und für den Organismus zur Normalisierung des Stoffwechsels und zur Aufrechterhaltung lebenswichtiger Funktionen wie Wachstum, Fortpflanzung und der normalen Leistungsfähigkeit aller Organe und Gewebe erforderlich sind. Jedes Vitamin hat eine individuelle Funktion. In der Natur gibt es keine Lebensmittel, die alle für den menschlichen Körper notwendigen Vitamine enthalten.
  • Aminosäuren sind ein Baumaterial für alle Proteine ​​im Organismus, die Muskeln, Sehnen, Bänder, Haut und Haare bilden. In Fitness und Bodybuilding sind sie notwendig, um die Effektivität von Training und Muskelaufbau zu steigern. Aminosäuren helfen, sich nach intensiver Anstrengung schnell zu erholen und Schmerzen zu entgehen. Es ist auch bekannt, dass der Körper mehr Energie für die Aneignung dieses "Baumaterials" aufwenden muss, sodass der Prozess wirksam zur Gewichtsreduzierung beiträgt.
  • Die wichtigsten Mineralien in Lebensmitteln. Die Mineralien im menschlichen Körper spielen eine äußerst wichtige Rolle: Sie steuern Stoffwechsel- und Immunprozesse, unterstützen chemische Prozesse in Zellen, wirken an der Bildung vieler Enzyme und Hormone mit und sind das Baumaterial von Knochengewebe.
  • Ein Arzneimittel, ein Präparat, ein Medikament - ist ein Stoff oder ein Gemisch von Substanzen synthetischen oder natürlichen Ursprungs in Form einer Dosierungsform (Tabletten, Kapseln, Salben usw.), die zur Vorbeugung, Diagnose und Behandlung von Krankheiten verwendet werden. Vor der Anwendung in der medizinischen Praxis müssen Arzneimittel klinischen Studien unterzogen werden und eine Genehmigung für die Anwendung erhalten.